Quer einstieg - Der Ratgeber für's Quereinsteigen

Quereinstieg in die Politik

Die wenigsten Berufspolitiker sind studierte Politologen. Natürlich gehört ein grundsätzliches Verständnis für politische Sachverhalte und Prozesse zur Voraussetzung, um in den Beruf einzusteigen, viel wichtiger ist es allerdings Fachkenntnisse in verschiedenen Bereichen und vor allem Kontakte zur politischen Szene zu haben.

Politiker im Fernsehen

Quereinstieg in die Politik. Foto: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft/pixelio.de

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Deswegen ist die Politik auch nicht als klassische Quereinstiegsbranche zu sehen, denn in den seltensten Fällen klappt die Karriere auf Knopfdruck. Vielmehr müssen langjährige Netzwerke aufgebaut und gepflegt werden. Am Anfang des Quereinstiegs in die Politik steht deswegen fast immer der Eintritt in eine Partei.

Klischee und Wahrheit

Es gibt viele Klischees und Stereotypen über Berufspolitiker. So werden sie gerne als unfähig, entscheidungsschwach und unehrlich angesehen. Sie denken nur an sich selbst, bestenfalls vielleicht auch noch an ihre Partei, aber der Bürger zuhause ist ihnen egal. Da ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen denken, sie wären bessere Politiker. Doch der Beruf des Politikers ist sehr anspruchsvoll und vielschichtig.

Wer plant, in die Politik quer einzusteigen, hat einen langen Weg vor sich. Zwar kann die sogenannte „Ochsentour“ oftmals umgangen werden, aber nicht immer. Die Ochsentour beschreibt den mühsamen Verlauf der Politikerkarriere. Diese beginnt zumeist ganz unten, etwa in Orts- oder Kreisverbänden. Von dort aus arbeiten sich Politiker hoch, doch auch das ist nicht sicher. Eine politische Karriere ähnelt der eines Spitzensportlern. Erfolgreich und weit nach oben kommen nur die Besten, die, die sich am erfolgreichsten durchsetzen und am meisten Talent haben.

Quereinsteiger sind Hoffnungsträger. Dieses Klischee ist ebenso beherrschend wie das des faulen, unehrlichen Berufspolitikers. Wer freiwillig, ohne ein Studium der Politikwissenschaften, als Quereinsteiger in die Politik einsteigt – so die Überlegung – ist von dem Beruf absolut überzeugt und setzt sich viel stärker für wichtige Anliegen ein. Diesen Erwartungen gerecht zu werden ist für Quereinsteiger fast unmöglich. Natürlich machen sie ebenso Fehler wie Berufspolitiker. Wenn nicht sogar mehr. Dennoch gilt, dass sich die Politik für Quereinsteiger eignet. Sie sind dort gern gesehen. Anforderungen gibt es jedoch trotzdem.

Wer oder was sind Politiker?

Politiker benötigen einige Qualifikationen, um erfolgreich zu sein. Es gibt keine direkte Ausbildung für die Karriere in der Politik. Vielmehr zählen bestimmte Fähigkeiten, die Politiker besitzen sollten. So ist es wichtig, dass sie Instinkt und Einfühlungsvermögen besitzen. Die Fähigkeit, zuhören zu können ist genauso elementar wie jene, ein guter Redner zu sein. Entscheidungskompetenz, ein Gespür für das richtige Timing, Selbstvertrauen und Entschlussfreude gehören ebenso zu den Voraussetzungen. Verlässlich, fair und geduldig, gesellig, kontraktfreudig, selbstinszenierend gegenüber den Medien, anständig und vorbildhaft, auch das sollen Politiker sein – selbst wenn das Berufsbild in der Öffentlichkeit ein anderes ist. Auch sind dies alles keine Fähigkeiten, die Sie in einer speziellen Ausbildung oder einem speziellen Studium erlangen, sondern zu den sogenannten Soft-Skills gehören. Generell gilt, dass Quereinsteiger mit einem abgeschlossenen Studium größere Chancen haben. Die Art des Studiums hingehen spielt keine Rolle.

Learning by doing – Politiker werden

Die Politik gilt allgemein als eine Art „Kunst“. Zumindest lässt sie sich nicht einfach lehren wie viele andere Berufe. Daher gibt es auch keine feste Aufgabenstruktur. Fragen wie, etwa was genau Politiker arbeiten sind, nicht zu beantworten, weil die Antwort abhängig von zu vielen Faktoren ist. Jedes Amt oder Mandat, das ein Politiker im Laufe seiner Karriere innehat, erfordert verschiedene Fähigkeiten und Qualifikationen. Ihr „Handwerk“ lernen Politiker allein durch praktische Anwendung.

Am besten haben Sie sich schon als Kind oder Jugendlicher für Politik interessiert, sind Verbänden oder einer Partei beigetreten. Ansonsten stammen viele Quereinsteiger in der Politik aus Wirtschaft und Verwaltung. Tatsächlich sind sich die Gebiete äußerlich recht ähnlich. Dennoch besteht die Möglichkeit, aus anderen Branchen quer einzusteigen. Politisches Wissen und Verständnis ist allerdings ein absolutes Muss.

Literatur

Quereinstieg: gescheitert

Eine Besonderheit der politischen Branche ist, dass fast jeder ein Quereinsteiger ist. Die Kunst besteht also nicht darin, sich gegenüber besser Qualifizierten durchzusetzen, sondern darin sich generell durchzusetzen und Stimmen für sich zu gewinnen. Wem diese Tatsache als Vorteil erscheinen mag, der hat nur auf den ersten Blick recht: Es darf nicht vergessen werden, dass die Anforderungen in der Politik generell hoch sind und die Konkurrenz, gerade wegen der niedrigen Eintrittbarrieren, stark.

Und auch wer es in eine Position schafft, in der er von der Politik leben kann, hat keinen leichten Job und muss sich ständig unter Beweis stellen. So leicht es im Fernsehen auch aussieht, der Beruf ist zeitraubend, arbeitsintensiv und erwartungsüberfrachtet. Sich durchzusetzen ist nicht immer einfach. Entscheidungen, die Sie treffen, müssen Sie nicht selten mehrfach begründen und verteidigen. Ohne Diskussions- und Rechtefertigkeitsbereitschaft ist die Karriere als Politiker nicht möglich.

Stolpersteine bieten sich viele – aber auch viele Chancen. Um sich als Quereinsteiger in der Politik durchzusetzen, brauchen Sie ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft und Leistungsvermögen. Wer ernsthaft eine politische Karriere anstrebt, sollte sich zunächst nebenberuflich engagieren. Suchen Sie sich anfangs kleinere Aufgaben und arbeiten Sie sich nach oben. Geben Sie Ihren erlernten Beruf erst auf, wenn Sie sich ganz sicher sind, dass Sie eine Zukunft in der Politik haben – selbst Landtagsabgeordnete haben nicht selten noch einen zweiten Beruf.

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